Brauche ich das? [6] YouTube

Was zum Kuckuck hat eine Video-Plattform hier auf einer Marketing-Seite zu suchen? YouTube ist nur für Zeitverschwender und chronische Prokrastinierer, die nichts Besseres zu tun haben, als sich haufenweise sinnlose Filmchen von gähnenden Miezekatzen, kichernden Babys und langbeinigen Blondinen anzuschauen, finden Sie?

Dann könnte es sein, dass Sie etwas verpassen. Denn auf YouTube werden Helden geboren. Wir sind im visuellen Zeitalter angekommen. Nirgendwo sonst verändert sich die Gesellschaft so schnell und grundlegend wie auf den Video-Plattformen. Hier werden Meme zu Dutzenden geboren, während wir zu Hause die Abendnachrichten schauen.

Und was heißt das nun für Ihr Marketing? Das heißt, dass Sie mit einem gut gemachten, viralen Spot nicht nur Hunderte, nicht nur Tausende, sondern Millionen potentieller Kunden erreichen können – ohne einen Pfennig Sendegebühren. YouTube hat die visuelle Werbung revolutioniert.

Die Einrichtung eines eigenen YouTube Kanals ist so einfach wie die einer Facebook-Seite: Registrieren, fertig. Im Grunde kann man gleich mit dem Hochladen beginnen.

Doch wer glaubt, es sei mit dem Hochladen kleiner Amateurfilmchen getan, der irrt. Einerseits ist es fast lächerlich einfach: Sie legen eine Videobotschaft im Netz ab, und wenn sie gut ist, wenn sie richtig gut ist, wird sie von ganz allein von Klick zu Klick, von User zu User weiter gereicht. Sie müssen gar nichts tun – es geht von selbst.

Aber der Erfolg hängt von vielen, fast unberechenbaren Faktoren ab: Trifft das Konzept den Trend? Werden es die Zuschauer weiter verlinken? Denn verlinkt wird nur, was cool ist, ungewöhnlich, erstaunlich – oder lustig.

Hier sind einige Beispiele, welche Kampagnen das Medium YouTube und Social Media perfekt genutzt haben.

Ron Hammer. Im Jahr 2006 erscheint auf YouTube ein Clip, der – so scheint es – einen von einem Amateurfilmer gedrehten verunglückten Stunt zeigt. Ron Hammer ist der Stuntman, und er überspringt einen Baumarkt mit seinem Motorrad. Der Sprung missglückt, der Actionheld knallt dramatisch gegen eine Wand, das Motorrad geht in Flammen auf – ein echter Schocker. Binnen weniger Tage ist der Clip auf allen Videoportalen zu sehen. Dann taucht Ron Hammers Webseite auf. Ron gibt Interviews und erscheint in zahlreichen Artikeln. Was jedoch niemand weiß: Ron Hammer ist eine Kunstfigur, ein Testimonial für die Marke Hornbach Baumärkte. Und tatsächlich: Bei dem ersten und den darauf folgenden Videos und Fotos ist das Logo der Hornbach Kette immer gut sichtbar positioniert. Erst im Nachhinein steigt Hornbach selbst in diese geniale virale Marketingkampagne ein. Der missglückte Stunt setzt das Hornbach-Motto: “Für manche zu groß – für Heimwerker genau richtig“ perfekt in Szene.

Blairwitch-Project. Der große Erfolg des Filmes begann mit einer Kampagne im Internet. Auch hier machten angebliche Amateurvideos den Anfang, die bald eine Fangemeinde auf der ganzen Welt hatten. Wer hat das gedreht? Worum geht es da überhaupt? Ist das echt oder inszeniert? Bevor man überhaupt wusste, dass es um einen Film ging, wollte ihn schon jedermann sehen.

Sixt. Der Autovermieter schafft es immer wieder, aktuelle Themen amüsant zu verpacken. So lässt er Matthias Reim in einem Spot singen „Verdammt ich hab nix“. Nach der WM 2010 bietet Sixt den Spielern der französischen Nationalelf verschmitzt Autos mit getönten Scheiben an, falls sie unerkannt nach Hause fahren möchten. Und nach dem Klimaanlagen-Skandal der deutschen Bahn verspricht der Autoverleiher, dass seine Klimaanlagen bestimmt funktionieren: „Bei Sixt buchen statt über die Bahn fluchen“.

Seien Sie also lustig, mysteriös oder sensationell – und wenn das alles nicht funktioniert, seien Sie niedlich! Schließlich wurde der niesende Baby-Panda von drei Millionen Menschen angeklickt, das Baby Charlie, das seinen Bruder in den Finger beißt, ist das am meisten gesehene Internet-Video der Welt.

In meiner Serie „Spots, die ich gerne gedreht hätte“ stelle ich in loser Reihenfolge Werbefilme vor, die ich für besonders gelungen und viral halte. Also – dranbleiben!

Und wenn Sie jetzt auch Lust auf bewegte Bilder bekommen haben, schreiben Sie mir an info@roosige-zeiten.de


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